2018 hat Amazon Ring übernommen. Ring ist Hersteller von intelligenten Türklingeln. Die Klingeln sind im Netzwerk eingebunden und haben Zugang zum Internet. Somit kann ein Bild des Besuchers auf unser Smartphone gesendet werden – egal wo wir uns gerade befinden. Neben den Klingeln sind auch Überwachungskameras im Angebot, ebenfalls mit Internetzugang. Was liegt also näher, als die Bilder und Videostreams zu analysieren, und dank moderner Gesichtserkennung auf verdächtige Personen hinzuweisen. Diese Idee hat Amazon noch etwas weiter gesponnen: Wird eine verdächtige Person erkannt, bekommt man einen Hinweis auf dem Smartphone. Ein großer (roter?) Knopf erscheint und wir können die Nachbarn informieren, dass hier etwas vor sich geht. Die Bürgerwehr kann sich dann formieren…

Im ersten Moment klingt das schlüssig. Denkt man darüber nach, woher die Daten für den Abgleich kommen und wie gut die Algorithmen sind, stellen sich einige Fragen:

  • Woher kommen die initialen Vergleichsdaten, mit den „verdächtigen“ Personen/Gesichtern?
  • Wo werden die Bilder gespeichert, wenn unschuldige Personen klingeln oder am Haus vorüber gehen?
  • Wer teilt die Personen in „verdächtig“ und „unschuldig“ ein?
  • Usw., usf.

Mit Blick auf die unterirdische Erkennungsrate, ahnt man, was bei dieser Nachbarschaftsüberwachung passieren wird. Der Onkel steht vor der Tür, klingelt und wird kurz darauf durch den Nachbarn mit Mistgabeln vom Hof gejagt. Sein Gesicht wird als „verdächtig“ gekennzeichnet und landet in irgendeiner Datenbank bei Amazon. Was dann mit dem Bild und der falschen Information passiert? Wer weiß das schon.