Die Angst vor Algorithmen und der damit aufkommenden KI ist vor allem in den Bereichen am größten, die nicht verstehen, was das ist. Das ist genau so immer wieder bei der Regierung zu spüren. Es ist klar, dass die Politiker nicht alles verstehen müssen und können. Dafür gibt es Berater. Leider sind diese meist nicht in der Lage es selbst zu verstehen oder sie erfolgen andere Ziele. Manchmal fehlt allem Anschein nach auch der tiefere Einblick und das Gefühl für Sinnhaftigkeit ihrer Vorschläge. Es gab schon den Ruf nach einem Algorithmen TÜV. Was das bedeutet und wie aufwendig eine Analyse ist, das war erst mal zweitrangig. Algorithmen TÜV – klingt sehr gut und auch sehr deutsch. Dass ein Algorithmus nicht nur aus 5-10 Zeilen Code besteht, hat keiner bedacht. Facebook hat wahrscheinlich mehrere Millionen Zeilen Code. Wer prüft, wie die Code-Teile miteinander arbeiten, um bspw. den Algorithmus für die Anzeige der Timeline zu implementieren? Wie VW gezeigt hat, kann die Auswirkung eines Algorithmus auch vor dem Prüfer versteckt werden. Zumindest eine Zeit lang.

Wie wir mitbekommen haben, gibt es den Algorithmen TÜV bisher nicht. Wahrscheinlich, weil klar wurde, wie sinnlos das Unterfangen ist. Was liegt näher, als ein KI-Observatorium zu fordern! Der Begriff KI TÜV wird vermieden. Vielmehr sollen KI-Anwendungen geprüft werden, ob sie „ethisch nicht vertretbare Anwendungen“ sind. Zielgruppen sind vorrangig Anwendungen aus dem Wirtschafts- und Arbeitsleben. Also Banken, Einzelhandel etc. Damit wird suggeriert, dass nur die Verwendung einer KI ethisch nicht Vertretbares verursacht. Mich interresiert der Prüfkatalog und mit welchen Maßstäben gemessen wird. Das Prüfen der Auswirkung einer KI ist keine schlechte Idee. Die Frage ist nur, auf welcher Grundlage man das macht. Um ethisch nicht vertretbar zu handeln, braucht niemand eine KI. Eine unethische Handlung entsteht noch vor dem Erstellen einer KI-basierten Anwendung. Computerprogramme kennen keine Ethik. Die ist und bleibt beim Menschen, der sich den Algorithmus ausgedacht hat.

Eine weitere Frage ist, was wird als KI eingestuft? Eine einfache statistische Betrachtung, lineare Regression oder ein noch beherrschbarer Entscheidungsbaum – sind das KIs? Ebenfalls interessant ist, wie man komplexe neuronale Netze prüft und was ethisch als Grundlage dient. Mit Blick auf die Verschiebung in Sachen Fake News seit 2016, haben wir leider gelernt, dass plötzlich Aussagen und Behauptungen hingenommen werden, die 10 Jahre zuvor ein No-Go waren und eine Amtsenthebung zur Folge hatte. Persönlich bin ich sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

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