Die Automobilindustrie ist in einem Wandel, den sie so nicht vorhergesehen hat. Jahre in der Komfortzone haben dazu geführt, dass nur noch auf Profit und nicht auf die Käufer und Benutzer ihrer Produkte geachtet wurde. Es wurde vorsätzlich betrogen und getäuscht. Dank einer guten Lobbyarbeit sind sie mit einem blauen Auge aus dem Betrug davongekommen. Viel nachhaltiger ist das Verschlafen von aktuellen Entwicklungen wie Elektromobilität, Umweltbewusstsein und Sharing Economy. Wir erleben einen enormen Wandel in der Mobilität. Manchen Menschen geht der Wandel nicht schnell genug. Doch mit einem kurzen Blick auf die Zeit, die das Automobil benötigte, um sich so tief zu etablieren, erkennt man, dass es leider nicht ganz so schnell geht.

Das erste Automobil erblickte 1889 die Welt. Vor 130 Jahre. Es wurde belächelt, konnte sich dennoch durchsetzen. Bemerkenswert ist, dass bereits um 1900 herum elektrische Fahrzeuge entstanden. Rund 40 % der Autos waren Dampfbetrieben, 38 % elektrisch und nur 22 % fuhren mit Benzin. Doch die Reichweite des Verbrennungsmotors trumpfte sehr schnell die noch behäbigen Dampf- und Elektrofahrzeuge aus. Bis in die 1990er Jahre dominierten die Verbrenner. Ölkrisen führten zu einem ersten Umdenken. Der damalige Stand der Batterietechnik führte dazu, dass erst 2008 ein wirklich ernsthaft konkurrenzfähiges Elektrofahrzeug auf den Markt: Der Tesla Roadster. Gebaut von einer Firma, die im Grunde keine Ahnung von Automobilen hatte. Die Automobilkonzerne belächelten Tesla. Doch das Lachen wurde immer leiser. Heute ist Tesla dominierend bei Elektrofahrzeugen und der dazu benötigten Batterie- und Ladetechnik. Wie schon bei dem iPhone, hat ein Branchenfremder die gesamte Branche revolutioniert. Deutschland, als Blaupause einer Automobilnation, verliert den Anschluss. Es ist ein bisschen wie bei Nokia, die sich urch ihre Ignoranz gegenüber Apple, vollständig überflüssig machten.

Mit einem Blick auf die Historie stehen wir noch am Anfang. Es dauerte rund 22 Jahre, bis Automobile am Fließband gefertigt wurden. Ein weiteres halbes Jahrhundert, bis die Autos unser Straßenbild beherrschen. Bei dem jetzigen Wandel erwarten wir jedoch, dass es von „jetzt auf gleich“ geht. Ebenso beim Wandel in der Mobilität, weg vom Besitzfahrzeug, hin zu Services zur Mobilität. Auch hierbei werden noch einige Jahre vergehen müssen. Wie und ob die Umwelt diese Jahre verkraftet ist ein anderes Thema. Und ob die derzeitigen Alternativen tatsächlich ressourcen- und umweltschonender sind, können wir stand heute nicht sicher sagen. Es gab auch Zeiten, in denen die Kernkraft als sicher und sauber galt. Wir brauchen Geduld und Durchhaltevermögen. Dass sich etwas ändern muss, ist klar.